Einige Gedanken zum Aussiedlungsprojekt im nördlichen Machland im Zusammenhang mit Fledermäusen

Eizendorf 2005 - idealer Lebensraum für Fledermäuse besonders auch durch die anschließenden Wasserflächen
Eizendorf 2005 - idealer Lebensraum für Fledermäuse besonders auch durch die anschließenden Wasserflächen

Auch für Fledermäuse wird sich der Lebensraum im Überschwemmungsgebiet wesentlich verändern. Der Wegfall – oder zumindest eine gravierende Reduzierung insbesondere von Obstgärten mit alten, höhlenreichen Baumbeständen, die Gärten, die ohnehin bereits seltenen Wiesenflächen und der Wegfall alter Bausubstanz trifft diese Tiere ganz besonders.

Offene, besonnte Flächen sind die Grundlage für hohe Insektendichte- und vielfalt und somit ein reichlich gedeckter Tisch  für Fledermäuse.
Offene, besonnte Flächen sind die Grundlage für hohe Insektendichte- und vielfalt und somit ein reichlich gedeckter Tisch für Fledermäuse.

Fledermäuse benötigen eine reich strukturierte, abwechslungsreiche Landschaft. Alleine die Quartierfrage wird in einer ausgeräumten, leeren Fläche zum Problem für diese Tiere. Je nach Witterung und Jahreszeit und auch abhängig von der Art brauchen Fledermäuse geeignete Paarungsquartiere, Wochenstuben, Tages- und Zwischenquartiere und letztlich ein sicheres, frostfreies Winterquartier.

Der Artenreichtum im Überschwemmungsgebiet und den angrenzenden Orten weist derzeit noch einen sehr erfreulichen Stand auf. Mit der Unterstützung der Koordinationsstelle für FLM- Schutz und Forschung in Österreich wurden im Lauf der letzten Jahre folgende Arten festgehalten:

Rauhautfledermaus            Fransenfledermaus              Großes Mausohr

 

Wasserfledermaus             Mopsfledermaus                   Zweifarbfledermaus

 

Breitflügelfledermaus        Braunes Langohr                  Wimperfledermaus

 

Großer Abendsegler           Bartfledermaus                     Bechsteinfledermaus

 

Zwergfledermaus               Weißrandfledermaus           Nordfledermaus

 

Brandfledermaus

Fachliche Beratung und Mithilfe durch Fr. Mag. Simone Pysarczuk
Fachliche Beratung und Mithilfe durch Fr. Mag. Simone Pysarczuk

Mitarbeiter der Regionalgruppe Machland Nord des OÖNB wollen versuchen, diesen Artenreichtum auf möglichst hohem Niveau zu halten. Selbstverständlich ist es immer problematisch, verlorene, natürliche Gelegenheiten wie Altholzbestände in Obstgärten durch künstliche Quartiere wie Fledermauskästen aus Holz oder Holzbeton zu ersetzen.

Umliegende Obstgärten, Wald -und Wiesenflächen sind ideale Voraussetzungen für die Akzeptanz von angebotenen Fledermausquartieren
Umliegende Obstgärten, Wald -und Wiesenflächen sind ideale Voraussetzungen für die Akzeptanz von angebotenen Fledermausquartieren

Auch der schönste Flachkasten als Ersatz für die gebäudebewohnenden Fledermausarten wird nie die Möglichkeiten eines alten Bauernhofes aufweisen mit all seinen Fugen und Ritzen, Spalten, Dachböden, ruhigen Winkeln und sonstigen Versteckmöglichkeiten.

Dass die Anbringung von künstlichen Quartieren auch Erfolg haben kann, zeigt ein Beispiel in Froschau, Gemeinde Saxen, wo seit Jahren in mehreren angebrachten Holzbetonkästen Bechsteinfledermäuse anzutreffen sind (übrigens der einzige nachgewiesene Fund in OÖ von einer reproduzierenden Kolonie).

Der Bestand aller Fledermausarten ist stark gefährdet, die Tiere haben Schwierigkeiten in der durch den Menschen massiv veränderten Welt zurechtzukommen. Einem Rückgang oder gar einem Erlöschen mancher Vorkommen können wir nur dann entgegenwirken, wenn wir die Lebensweise der Fledermäuse und ihre Bedürfnisse besser kennen.
Alte Gruselmärchen und abergläubische Vorstellungen helfen da nicht weiter, aktive Mitarbeit besonders von Kindern bei Naturschutzprojekten wie zum Beispiel von der Musikhauptschule Saxen praktiziert, bringen da schon mehr an Erkenntnissen. Es wurden bei dieser Aktion im Schuljahr 2006/07 mit großen Engagement von Kindern und ihrer Biologie- und Werklehrerin Gabriele Pflug sowie mit tatkräftiger Vorarbeit des Schulwarts Johann Heimel 24 Fledermauskästen angefertigt. Für das Material sorgte die Marktgemeinde Saxen – ihnen allen vielen Dank!
Alle Kästen sind bereits in der Umgebung von Saxen montiert, in einigen davon wurde auch schon reges Fledermaustreiben festgestellt (z.B. im Kasten des Pfarrhofes Saxen).

Musikhauptschule Saxen
Musikhauptschule Saxen

Für zukünftige Vorhaben gibt es bereits Materialspenden der Tischlerei Erwin Dober aus Saxen, Sägewerk Brandstetter in Altenberg oder auch von Privatpersonen wie Herrn Gerhard Achleitner aus Hofkirchen, auch dafür herzlichsten Dank.

 

Spendenübergabe in der Werkstätte der Lebenshilfe Grein
Spendenübergabe in der Werkstätte der Lebenshilfe Grein

 

 

Eine großzügige Unterstützung durch die Firma Hasenöhrl erlaubte uns die Herstellung von Fledermaus- und Eulenquartiere bei der Lebenshilfe in Grein in Auftrag zu geben.

 

       DANKE!

 

 

 

 

 

INTERESSE WECKEN FÜR DIE NATUR SEHEN WIR ALS UNSERE AUFGABE

Maßnahmen für den Schutz der Fledermäuse

  1. Obstgärten und deren Altbaumbestände erhalten (Aufklärungsarbeit bei Landwirten vor Ort und Fördermöglichkeiten ausschöpfen)
  2. Verschiedenartige Ersatzquartiere anbieten und fachgerecht pflegen
  3. Auch die Randbereiche des betroffenen Gebietes mit einbeziehen, da die Jagdgebiete der Fledermäuse je nach Art ihrer Quartiere bis 15 Km entfernt sein können.
  4. Neue Landschaftselemente wie Baumreihen, Heckenlinien oder Gebüschgruppen schaffen

Bei allen Bemühungen sollte eines nicht vergessen werden:
Maßnahmen zum Fledermausschutz betreffen immer auch andere Tiergruppen. Es profitieren Insekten, Vögel, Jagdwild,… und schlussendlich auch der Mensch, wenn er eine interessante, vielfältige, artenreiche und lebenswerte Umwelt vorfindet.


Alois Kaltenböck

 

Kontaktpersonen vor Ort zu Fledermausfragen:

Alois Kaltenböck, 4352 Klam
0664/3705059

aloiskaltenboeck@aon.at

Robert Gattringer, 4342 Baumgartenberg
0699/17696619

uhu1@gmx.at

Anmeldungen für fachlich geführte Abendwanderungen zu Fledermausvorkommen nehmen wir gerne entgegen. Es kommen dabei Detektoren zum Einsatz, die uns die Laute der Fledermäuse hörbar machen. Dies bietet die Möglichkeit, auch Fledermäuse zu erfassen, die mit dem Auge nicht wahrnehmbar sind.

 

 

Fledermäuse in der Au

Auwälder bieten aufgrund ihrer natürlichen Dynamik und Strukturierung, sowie aufgrund des Wasserhaushaltes ideale Jagdmöglichkeiten für Fledermäuse. Sämtliche heimische Fledermausarten ernähren sich von Insekten und gerade in Auwäldern herrscht eine hohe Insektenvielfalt und -produktion.
Bei einem abendlichen Spaziergang durch die Au kann man dies sehr schnell am eigenen Leib erfahren. Wer die stechenden Plagegeister aber ignoriert und sich an den Rand eines Gewässers setzt, kann zumeist bereits in der Dämmerung die eine oder andere Fledermaus beim Jagen beobachten. Aufmerksame Fischer berichten immer wieder auch von Fledermäusen, die bei der Jagd an die Angelschnur stoßen. Zumeist handelt es sich dabei um Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii).
Während einige Arten gerne in Dachböden von Kirchen oder Privathäusern wohnen, lebt die Wasserfledermaus fast ausschließlich in Baumhöhlen. ein Fledermausbeobachter kann sich besonders glücklich schätzen, wenn er zufällig eine solche Baumhöhle mit Fledermäusen entdeckt, zumal diese Quartiere sehr dynamisch genutzt werden (mehrere Baumhöhlen pro Kolonie) und meist nicht in Augenhöhe des Naturforschers liegen. Verlassene Spechthöhlen, Fäulnishöhlen im Stamm und an Ästen, Spalthöhlen (wie sie z.B. durch Blitzschlag entstehen), Rindenspalten und -risse und auch Spalten hinter abstehender Borke können von Fledermäusen als Tagesquartier genutzt werden.
In Gebieten, wo natürliche Baumhöhlen rar sind, kann man versuchen, mit Fledermauskästen, den bedrohten Tierarten Quartierersatz zu bieten.

 

Koordinationsstelle für Fledermausschutz und Forschung in Österreich (KFFÖ)

 

Weitere Informationen über Fledermäuse und Termine über Veranstaltungen können Sie auf der unserer Homepage nachlesen: www.fledermausschutz.at

Sollten Sie Fledermausquartiere kennen, würden wir uns freuen, wenn Sie uns diese mitteilen könnten, auf info@fledermausschutz.at oder unter 0676/ 5203521

 

Mag. Simone Pysarczuk

Länderkoordinatorin der KFFÖ für Oberösterreich